Lexikon des Dialogs – hrsgg. von Richard Heinzmann

Lexikonbild Foto © Eugen-Biser-Stiftung

Angeregt von der Eugen-Biser-Stiftung fanden seit 2005 Symposien statt zwischen christlichen Theologinnen und Theologen aus Deutschland und ihren islamischen Kolleginnen und Kollegen aus der Türkei, vor allen aus der Universität Ankara. Dabei stellte sich heraus, dass es Verständigungsschwierigkeiten im Bezug auf zahlreiche Begriffe und deren kulturelle und geistige Hintergründe gab. In der Folge entstand bis 2013 sowohl auf Deutsch als auch auf Türkisch das zweibändige „Lexikon des Dialogs“ mit dem Untertitel „Grundbegriffe aus Christentum und Islam“, herausgegeben unter der Leitung von Richard Heinzmann. Im Lexikon werden Begriffe, die auf den ersten Blick das Gleiche meinen, parallel aus islamischer Sicht und aus christlicher Sicht von kompetenten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern erläutert. Auch werden Begriffe bzw. Sinnzusammenhänge erklärt, die es in der jeweils anderen Religion nicht gibt.

Um das Lexikon jenseits der Fachwelt für ein größeres, interessiertes Publikum zugänglich zu machen, wurde der Umfang knapp und der Ausdruck sehr klar gehalten.

Sehr viele Begriffe erhielten einen doppelten Lexikoneintrag, jeweils mit den Zusatz „(chr.)“ oder „(isl.)“ für die jeweilige Religion. Unter jedem Schlagwort steht eine Übersetzung ins Türkische und teilweise ins Arabische. Am Ende des zweiten Bandes sind noch einmal alle Begriffe in den drei Sprachen Deutsch, Türkisch, Arabisch tabellarisch aufgelistet, wobei spätestens hier ersichtlich wird, dass ein und dasselbe deutsche Wort in den anderen Sprachen manchmal zwei verschiedene Übersetzungsmöglichkeiten haben kann. Auch hier ist der religiöse Kontext – ob christlich oder islamisch – für die Bedeutung des Wortes wesentlich. Zum Beispiel kann das Wort Gnade auf Türkisch sowohl İnayet als auch Lütuf heißen. Die Frage der Übersetzung ist je nachdem zu entscheiden, ob es im christlichen oder islamischen Kontext verwendet wird.

Abgesehen von diesen Fragen werden auch Sachverhalte erläutert, die bisher im öffentlichen Diskurs marginalisiert oder gar falsch ausgelegt wurden. Stellvertretend seien hier die Schlagwörter „Frau (chr.)“ und „Frau (isl.)“ genannt. Unter Letzterem ist zum Beispiel zu lesen (mit Bezug auf Stellen im Koran): „Gott verbietet Diskriminierungen gegenüber Frauen und verurteilt auf das Schärfste den vorislamischen Brauch der Araber, Töchter lebendig zu begraben (16/58-59; 81/8-9).“ Aber auch unter „Frau (chr.)“ ist zu lesen: „Nach christlicher Auffassung sind alle Menschen an Würde grundsätzlich gleich, unabhängig von Volkszugehörigkeit, sozialem Rang oder Geschlecht […].“ Dass dem in der Praxis nicht so ist, vor allem in der kirchlichen Ämterhierarchie, sei „vielmehr ein Kennzeichen (und auch noch lange nicht ganz erreichtes Ziel) von säkularer Gesellschaft und säkularem Staat, für den allerdings der christliche Gedanke der Gleichheit aller Menschen eine wichtige Voraussetzung ist.“

Bei diesem Lexikon handelt es sich um einen sehr wichtigen, wenn auch keinen endgültigen Beitrag, um noch vorhandene Vorurteile beseitigen zu helfen oder einfach „nur“ falsches Wissen bzw. falsche Informationen zu korrigieren. Wir können gespannt darauf sein, wie sich der interreligiöse Dialog auf der Grundlage dieses wichtigen Dokuments der Verständigung künftig entwickeln wird.

Andreas Jeschke
April 2014

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