Leipziger Buchmesse 2011

Bücher, Cosplay, Comics, Mehrsprachigkeit, Symposien, noch mehr Bücher, richtig nette Autoren, Verleger und falls ich es noch nicht erwähnt habe, wahnsinnig viele interessante Bücher. Der Besuch der Buchmesse war bisher in jedem Jahr empfehlenswert, und so auch in diesem Jahr, deshalb hier ein paar Eindrücke aus interessengeleiteter Sicht 😉

Mit dem Gastland Serbien wurde endlich ein gebührendes Schlaglicht auf eine Literatur geworfen, die in Deutschland deutlich mehr Aufmerksamkeit verdient hätte. Natürlich stehen bei so einem Gastauftritt die „Großen“ im Vordergrund, so dass man nach der Kinder- und Jugendliteratur ein wenig suchen muss. Aber schon vom letzten Jahr wussten wir, dass sich das lohnt. Die auf der Buchmesse präsentierten serbischen Kinderbücher waren kreativ und liebevoll gestaltet, auch auf dem serbischen Markt legt man dabei Wert auf Inhalte wie Kinderrechte, Umweltschutz und natürlich auf spannende Geschichten. Seit einigen Jahren wird auch von serbischen Verlegern das Thema mehrsprachige Kinderbücher verfolgt und ausgebaut.
Schöne und kreativ gestaltete Kinderliteratur kam nach Leipzig außerdem aus den Ländern Polen, Slowenien, Slowakei, Saudi-Arabien und der Schweiz. Zu bewundern gab es auch einige professionell und liebevoll konzipierte Bücher für sehbehinderte Kinder.
Der Arbeitskreis für Jugendliteratur e.V. lud unterdessen zum Symposium über Mehrsprachigkeit ein, mit mehreren Vorträgen nebst Podiumsdiskussion wurde der Frage Mehrsprachigkeit – Glücksfall oder Stolperstein für den Bildungserfolg? nachgegangen. Nach einer Begrüßung durch Regina Pantos, die Vorsitzende des AKJ, sprach Dr. Gesa Siebert-Ott aus sprach-didaktischer Perspektive über das Thema Mehrsprachigkeit als Bildungsressource. Sie bekräftigte in der anschließenden Diskussion, dass dem kindlichen (Mehr-)Sprachenerwerb kaum Grenzen gesetzt seien und keine Überforderung etwa bei zwei- oder gar dreisprachiger Erziehung auftrete. Kinder können die Sprachmodi gut trennen und zeigen auch das Interesse an weiteren Sprachen durch ihre erhöhte Sprachbewusstheit (language awareness) und kulturelle Bewusstheit (cultural awareness), so die Professorin der Universität Siegen. Ilona Pohl schloss in ihrem Vortrag mit einem Beispiel aus der Praxis in Berlin-Neukölln an, sie stellte die schulgeldfreie staatliche Europaschule Berlin vor.
Patricia Hahne-Wolter, Vorsitzende des Netzwerkes Mehrsprachigkeit und Verlagschefin des SchauHoer-Verlages, nutzte in ihrem Vortrag die Gelegenheit, einige ausgewählte Beispiele für mehrsprachige Kinderbücher vorzustellen. Sie betonte den kulturellen Wert der Arbeit von Verlagsunternehmen, welche neben den Autoren die eigentlichen „Produzenten“ der Bücher seien.
Sie sprach auch an, dass aus Verlegersicht die häufig geäußerte Bitte schwach finanzierter Bibliotheken um Gratis-Exemplare auf Unverständnis stößt. Diese Aussage gilt allerdings sicher nicht für alle Verleger mehrsprachiger Bücher, und auch Praktiker aus der Öffentlichkeitsarbeit erkennen oft eher einen Vorteil in der gezielten Abgabe von Büchern an Multiplikatoren wie Projektbibliotheken, die in vielfältige Netzwerke eingebunden sind.

Mit der Vorstellung ihres projektorientierten Berliner Kinderbuchladens mundo azul (die blaue Welt) gab im Anschluss Mariela Nagle Einblicke in die auch uns vertrauten Schwierigkeiten der Beschaffung internationaler Kinderbücher für Leser in Deutschland. Sie zeigte auf, wie lohnenswert und interessant diese Arbeit ist. Mit ihrem Buchladen bietet sie neben lateinamerikanischer auch französische, englische und italienische Kinderliteratur, sie besorgt Schulbücher und Arbeitshefte für Lehrer, veranstaltet Workshops, originalsprachliche Lesungen mit Autoren und bietet mehrsprachigen Eltern und Kindern ein Forum zum Erfahrungsaustausch.

Die Abschlussdiskussion zeigte das große fachliche Interesse auch auf Seiten von Kindergärtnerinnen in teilweise mehrsprachig ausgerichteten Einrichtungen, die einen hohen Anteil an Kindern von Migranten zu betreuen haben. Wichtig war hier der Appell an die Politik, den Frau Prof. Siebert-Ott aussprach, in den Gruppen eine Durchmischung von deutscher Sprache und Fremdsprachen mindestens im Verhältnis 50:50 zu gewährleisten. Selbst bei hoher Qualifikation sind die Erzieher in ihren Bemühungen um den kindlichen Erwerb der deutschen Sprache in Gruppen mit hohem Anteil von Kindern aus Zuwandererfamilien zwangsläufig erfolglos.

Hervorzuheben wären noch einige Gespräche und Begegnungen mit Autoren und Verlegern, an dieser Stelle und im Rezensionsbereich folgen deshalb bald weitere Eindrücke der diesjährigen Buchmesse!

C.R.

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